Vom Gast zum Guide - Hannes' Geschichte

Outdoor Guide

Wenn aus Survival mehr wird als ein Hobby

Fernsehformate waren für Hannes der erste Berührungspunkt mit dem Thema Survival. Was für viele reine Unterhaltung bleibt, entwickelte sich bei ihm schnell zu echtem Interesse. „Irgendwann habe ich dann zu Weihnachten einen Gutschein für einen Kurs bekommen“, erzählt er. Statt langsam einzusteigen, begann er direkt mit dem Advanced-Kurs – ein Sprung ins kalte Wasser, der vieles verändern sollte.

 

Schon in den ersten Stunden merkte er, dass Survival weit mehr ist als Feuer machen und draußen schlafen. „Mich hat damals vor allem die Vielfältigkeit beeindruckt“, sagt Hannes. Orientierung, Shelterbau, Wasseraufbereitung, mentale Belastung, Teamarbeit – jedes Thema brachte neue Herausforderungen.

 

Dass er selbst einmal als Guide arbeiten würde, hatte Hannes zu diesem Zeitpunkt allerdings überhaupt nicht auf dem Schirm. Der Wendepunkt kam erst später – während eines 24-Stunden-Realistic-Survival-Kurses. Der Guide sprach ihn danach direkt an: „Du könntest gerne für uns arbeiten.“ Für Hannes war das ein echter Klick-Moment. „Auf einmal dachte ich: Vielleicht kann ich das wirklich.“

 

Ganz ohne Umwege lief der Weg dorthin aber nicht. Den Basic-Kurs musste er nachholen, ebenso noch einmal den 24h-Realistic-Survival-Kurs – diesmal mit anderem Blickwinkel. Rückblickend sagt er: „Das war es auf jeden Fall wert.“

 

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Erfahrung aus dem Pro-Kurs: Feuerbohren bei Dauerregen. Eine Aufgabe, die selbst erfahrene Teilnehmer an ihre Grenzen bringt. „Irgendwann ist alles nass. Hände, Kleidung, Material. Und genau dann musst du funktionieren.“ Gerade solche Situationen hätten ihm gezeigt, wie viel mentale Stärke beim Survival wirklich zählt.

 

Noch intensiver war für ihn jedoch der Verletztentransport im 24h-Realistic-Survival. Die Gruppe bestand nur aus sieben Teilnehmern, Wechseln war kaum möglich. Nach wenig Schlaf und kaum Kalorien einen Menschen über längere Zeit zu transportieren, wurde zur echten Belastungsprobe.

Auch der Abbruch einer Lappland-Expedition hat sich tief eingebrannt. Regen, Unterkühlung und schwieriges Gelände zwangen die Gruppe schließlich zur Umkehr.  Besonders geblieben ist ihm dabei eine Erkenntnis: Survival bedeutet nicht, blind weiterzugehen – sondern Situationen realistisch einzuschätzen.

 

Heute gibt Hannes seine Erfahrungen selbst weiter – nachdem er die Survival Scout Ausbildung von Lebe die Wildnis absolviert hat. Was ihn als Guide am meisten erfüllt, sind die Reaktionen der Teilnehmer. „Die leuchtenden Augen der Leute – egal bei welchem Wetter oder welcher Uhrzeit – das ist einfach besonders.“

Für Hannes hat der Weg in die Wildnis vieles verändert. „Ich sehe die Natur heute mit ganz anderen Augen.“ Wo andere nur Wald sehen, erkennt er Möglichkeiten: Feuer, Wasser, Schutz oder Nahrung.

„Man kann nie wissen, wohin einen so ein Kurs führt“, sagt er und lacht. „Vielleicht sogar zum Guide-Sein.“

Datum: 29. Mai 2026